Bei traumhaften Bedingungen starten mein Sohn Roman und ich unsere Skitour auf dem Oberalppass (2044m), am Samstag 31.01.2026 um 9:30 Uhr. Diese Tour habe ich ausgewählt, da ich keine Zeit für grössere Vorbereitungen hatte und unsere Kondition nicht gerade in Hochform ist. Die Lawinensituation ist mit Stufe 3 erheblich und somit nicht ungefährlich, aber die Tour auf den Pazolastock kann man dennoch relativ sicher durchführen, wenn man nicht, so wie ich, später die falschen Entscheidungen trifft.
Um 11:30 stehen wir auf dem Pazolastock (2739m) leider schon etwas erschöpfter als uns lieb ist, aber es geht uns gut und wir sind noch voller guter Dinge. Trotzdem beginnt hier, ohne das ich es merke, das Ungemach. Beim Verlassen des Pazolastocks folge ich der Spur zur Martschallücke., da wir nach Andermatt (1437m) runterfahren wollen, denn da steht unser Auto. Die sicherere Variante bei diesen Bedingungen wäre die Abfahrt nach Tschamutt gewesen und dann mit dem Zug nach Andermatt.
Kurz vor der Martschallücke führt die Spur durch steiles felsiges Gebiet. Jetzt sehen wir zum ersten Mal in die Abfahrt von der Martschallücke und mich beunruhigt nicht was ich sehe, sondern was ich nicht sehe. Es hat keine einzige Spur in der Abfahrt. Auch Roman ist das aufgefallen und wir beide sind uns in diesem Moment durchaus der Gefahr bewusst. Wir machen sogar eine Lagebesprechung, was wir für Optionen haben. Die anderen vor uns sind hochgestiegen zum Rossbodenstock (2837m), wir hätten auch zurück gehen können und doch noch auf die Sedrunderseite abfahren können. Für den Aufstieg zum Rossbodenstock fehlte uns aber die Kondition.
Wir versuchen die Lawinengefahr einzuschätzen. Das einzige was für eine Befahrung vom Hang spricht ist, dass relativ wenig Schnee liegt. Der obere Teil ist definitiv steil genug für einen Lawinenabgang, aber weiter unten wird es wieder sicherer. Ich beschliesse mir die Sache anzusehen und Roman soll warten, falls es schief geht. Ich fahre die ersten 20m in den Hang rein, der Untergrund ist steinig und hat nur eine geringe Schneeüberdeckung. Jetzt habe ich keine Angst mehr vor Lawinen, aber stürzen möchte ich in diesen Steinen nicht. Also suche ich ein Feld mit etwas mehr Schnee und da höre ich es bereits, das Geräusch, dass man als Skitourengänger nicht hören möchte. Ein leiser dumpfer Knall, der Untergrund wird schwammig. Alles geschieht recht langsam und eigentlich harmlos. Mir ist sofort klar, ich habe soeben eine Lawine ausgelöst. Kurz überlege ich noch ob ich den Lawinenairbag auslösen soll, oder ob das übertrieben wäre. Mit den Füssen habe ich den Halt in der fliessenden Lawine verloren, mich spült es langsam in der Lawine sitzend den Hang hinunter. Die nächste Entscheidung ist, ich zieh den Airbag lieber solange ich noch kann. Das tue ich dann auch, drauf folgt der nächste Knall diesmal vom Auslösen des Lawinenairbags. Der öffnet sich auch relativ gemächlich, es gibt mir ein sicheres Gefühl, ich kann aber von jetzt an nur noch eingeschränkt sehen. Immer noch fliesse ich sitzlings den Hang hinunter, zwar etwas schneller, doch immer noch kein Grund zur Sorge. Jetzt wird das Ganze tiefer, auch spüre ich deutlich einen Schub von rechts, den ich mir nicht erklären kann. Meine Skis fangen an mich nach unten zu ziehen, doch der Airbag verhindert ein Abtauchen. Jetzt zieht die Lawine einer meiner Stöcke nach unten, den ich dummerweise nicht loslasse. Bis der Zug abrupt nachlässt, die Lawine hat kurzerhand meinen Teleskopstock auseinander gerissen. Gefühlt bin ich schon eine Ewigkeit in dieser Lawine und es wird richtig gefährlich. Hangabwärts türmen sich Berge von Schnee, die blöden Skis ziehen mich immer tiefer. Dann plötzlich Stille, ich stehe in einer sehr unangenehmen Haltung, Beine verkreuzt in der Lawine, aber es scheint alles heilgeblieben zu sein.
Kopf und beide Arme sind ausserhalb vom Schnee, alles was in der Lawine steckt kann ich keinen Millimeter bewegen. Roman, der von oben alles mitangesehen hat, ruft mir zu, ob ich in Ordnung bin, was ich zum Glück bejahen kann. Mit dem halben Stock, den ich ja immer noch in der Hand halte versuche ich mich etwas frei zu schaufeln. Keine Chase, der Schnee fühlt sich an wie gefrorenes Eis. Erschwerend kommt noch dazu, das meine Handschuhe mit Schnee geflutet wurden und ich das Zeugs nicht mehr aus den Handschuhen bekomme. Mittlerweile habe ich eiskalte Hände, meine verdrehte Haltung in der Lawine fängt an zu schmerzen, doch Rettung naht.
Für Roman gestaltet sich die Rettung auch nicht einfach. Zuerst muss er den Hang, der nach der Lawine nur noch aus Steinen besteht queren. Dann über die Lawine steigen, da diese nicht befahrbar ist. Nach einer kurzen Begrüssung im neuen Leben, schaufelt er mich aus der Lawine. Was auch noch einmal ein rechter Kraftakt ist. Erst als ich aus der Lawine befreit bin, wird mir das ganze Ausmass bewusst. Die Lawine ist viel breiter als ich es mir vorgestellt habe. Es wurde nicht nur der Hang direkt unter mir ausgelöst sondern auch der Hang rechts von mir.
Wir befinden uns immer noch in einer recht unangenemen Lage, vor uns liegt eine Abfahrt von 1300 Höhenmetern in einem Tal, wo Lawinenabgänge, nach neuster Einschätzung sehr wahrscheinlich sind. Mein Lawinenairbag ist aufgebraucht, also von nun an muss ich es selber richten. Wir suchen die sicherste Route und können dennoch einige schöne Spuren in den unbefahrenen Tiefschnee ziehen.
Fazit:
Diese Skitour auf den Pazolastock bleibt für mich sicherlich unvergessen.
Natürlich bin ich wieder einmal ein viel zu grosses Risiko eingegangen, und das darf nicht wieder passieren!
Pazolastock 2740m
Start Oberalppass
Ziel Andermatt
Höhenmeter: 700m
Aufstiegszeit zum: 1:30h Pazolastock,
2:00h Marschalllücke
Zeit insgesamt: 4:00h
Distanz: 12.2 Km (GPS)
Schneeverhältnisse: oben Pulver gut, dann hart und unten hässlich
Lawinengefahr: gering
Lawinenabgänge: gesichtet an exponierten Lagen,
kleinere und grössere
Gipfel erreicht: ja
Datum: 28.01.2018
Region: Oberalppass
Webcam: Alpsu / Oberalppass
In den Bergen soll jetzt besonders viel Schnee liegen, dieses Spektakel wollen wir nicht verpassen. Also fahren wir nach Andermatt und nehmen von da den 8:28 Uhr Zug auf den Oberalppass. Der Zug ist komplett voll mit Skifahrern und Skitourengehern. Bei traumhaftem Wetter und viel Schnee steigen wir aus dem Zug und marschieren nach einem Kaffee los Richtung Pazolastock. Doch je höher es geht desto geringer wird die Schneehöhe, es hat genügend Schnee, aber nicht die Mengen die wir vermutet haben. Trotzdem werden wir mit einem super schönen Tag belohnt, der uns das Aufsteigen geniessen lässt. Vom Pazolastock zur Marschalllücke wird es wegen der Schneeverhältnisse schwierig und mühsam. Die ersten Meter von der Abfahrt geniessen wir im Pulverschnee, doch bald wird der Schnee hart. Es hat in den letzten Tagen bis auf etwa 2400m Höhe in den Schnee geregnet, was ihn im untersten Teil zum hart gefrorenen Alptraum machte.
Pazolastock 2740m
Start Oberalppass
Ziel Andermatt
Höhenmeter: 700m
Aufstiegszeit zum: 1:30h Pazolastock,
2:00h Marschalllücke
Zeit insgesamt: 4:00h
Distanz: 12.2 Km (GPS)
Schneeverhältnisse: oben hart, unten schwer
und nass
Lawinengefahr: relativ sicher, relativ wenig Schnee
Lawinenabgänge: gesichtet an exponierten Lagen
kleinere und grössere
Gipfel erreicht: ja
Datum: 22.11.2014
Region: Oberalppass
Wir sind das zweite Mal in dieser Gegend und diesmal mit dem Zug angereist. Um 6:08 Uhr starten wir vom HB Zürich. Der Zug ist zur Hälfte gefüllt mit Skitourengehern. Nicht wenige von diesen sind wie wir unterwegs auf den Oberalppass, wo es bei traumhaftem Sonnenschein los geht. Wir führen eine flotte Karawane hinter uns her. Nein, nein nicht weil wir sie nicht vorbei lassen! Der Aufstieg zum Pazolastock ist grandios, Sonne, Schnee und die Aussicht tragen dazu bei, dass wir ein super Skitourentag erleben dürfen. Nur die Abfahrt nach Andermatt mit den Skiern ist -bei dem doch schon etwas älteren Schnee- alles andere als einfach.
